Schröpfen

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Aus der ursprünglichen Instinktbehandlung des Saugens, etwa bei Wunden, Schlangenbissen und anderen Verletzungen, entwickelte sich das Schröpfen in der alten Medizin. Insofern gehörte das schröpfen zu den zentralen therapeutischen Maßnahmen in der Heilungsgeschichte. In 16. Jahrhundert beschrieb der Italiener Oratio Augenius Ziele des Schröpfens: Entleerung, Schmerzlinderung, Umstimmung, Beseitigung einer Lageanomalie, Überleitung einer Schwellung u.a.
Das moderne Schröpfen verbindet die Reflexzonenlehre (headsche Zonen) und die traditionelle Akupunkturlehre über die Meridiane der chinesischen Medizin.
Die Schröpfzonen stellen Schnittstelen des horizontal und vertikal vernetzten Kommunikationssystems in unserem Körper dar. Die meisten von Ihnen befinden sich am Rücken. Vor Therapiebeginn werden die Reflexzonen palpiert, ob sich so genannte Gelosen finden. Darunter versteht man prallelastische, in der Regel druckempfindliche Verhärtungen. Dort wo sich die Gelosen befinden kann man davon ausgehen, dass der Funktionskreis der jeweiligen Reflexzone nicht ausgeglichen ist. An diesen stellen werden die Schröpfköpfe aufgesetzt. Man unterscheidet von kalten und heißen Gelosen. Die ersten werden trocken und die zweiten blutig geschröpft.
Heiße Gelosen werden auch als Füllgelosen bezeichnet. Sie entstehen durch Blut Kongestionen in umschriebenen Hautbindegewebs- bzw. Muskelzonen. Sie sind druckempfindlich, haben prallelastische Konsistenz und sind etwa bohnen- bis Pflaumen groß. Sie treten vor allem zu Beginn einer Erkrankung auf und spiegeln den Aspekt der akuten Entzündung wider.
Kalte Gelosen werden auch als Leergelosen bezeichnet. Sie imponieren als verhärtete, kalte Regionen mit geminderter Blutzufuhr, derbe, reiskorn- bis erbsengroße Strukturen. Die Hautzone ist in diesem Bereich meist eingesunken. Die Entstehung kalter Gelosen ist die Folge einer anhaltenden Mangeldurchblutung. Infolge des dadurch entstehenden Sauerstoffmangels zeigt sich ein interstitielles Ödem.

Je nach individueller Indikation werden 10 bis 14 Schröpfköpfe auf die entsprechenden Organreflexzonen gesetzt. Bei Verspannungen im Schulterbereich können auch weniger Köpfe genutzt werden. Zur Erzeugung des Vakuums bestehen mehrere Möglichkeiten. Heutzutage werde meist Unterdruckvakuumgummis genutzt. Die Einwirkdauer beträgt je nach Empfindlichkeit des Patienten 10 bis 20 Minuten.