Ernährungstherapeutische Maßnahmen

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Obst

Ernährungstherapie wendet sich an Menschen die entweder mit eigenem Gewicht oder mit dem Stoffwechsel im Körper nicht zu Recht kommen. Sie ist die verbindliche, individuelle Anleitung eines Patienten zu wissenschaftlich fundierten Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept bei ernährungsabhängigen Erkrankungen und krankheitsbedingten Ernährungsproblemen.
Ernährungstherapie verfolgt ein individuelles Therapieziel und basiert auf einem individuellen Therapieplan. Dies erfordert entsprechende Qualifikationen, sowie die Kenntnisse über Risiken und Grenzen und eventuell ergänzend eine Kooperation mit anderen Therapeuten.
Zu diesem Thema gehören auch Allergien, die durch verschiedene Lebensmittel verursacht werden. Unter einer Nahrungsmittelallergie versteht man eine immunologisch vermittelte Unverträglichkeitsreaktion auf ein Nahrungsmittel. Davon abzugrenzen sind Intoleranzreaktionen, die zumeist durch enzymatische Veränderungen ausgelöst werden. Beispiele hierfür sind die Laktose- und die Fruktose-Intoleranz oder die Histamin-Intoleranz. Ebenfalls keine Nahrungsmittelallergien im eigentlichen Sinne sind pseudoallergische Reaktionen durch Nahrungsmittelergänzungsstoffe. Letztere kommen im Kindesalter nur sehr selten vor.
Darunter finden Sie ein paar Informationen über wichtige Bestandteile unserer Ernährung.

Cholesterin
Häufig wird Patienten mit erhöhten Cholesterinwerten nahe gelegt, die Cholesterinzufuhr über die Nahrung auf maximal 300 mg/ Tag zu beschränken. Dies ist jedoch nur in wenigen Fällen hilfreich, da der Körper die Eigensynthese an das Cholesterinangebot aus der Nahrung anpasst. Zwar konnten unter strengen klinischen Bedingungen Cholesterinsenkungen von 10 bis 15% erzielt werden, in der Praxis lässt sich jedoch mit einer cholesterinarmen Diät bei vielen Menschen nur eine Reduktion des Gesamtcholesterins um 2% erreichen. Eine hohe Zufuhr führt meist auch nur zu einer geringfügigen Erhöhung des LDL-Gehaltes. Lediglich Patienten mit genetisch bedingten, erhöhten Cholesterinwerten, ist eine eingeschränkte Zufuhr nahe zu legen. Treten erhöhte Cholesterinspiegel im Zuge des Metabolischen Syndroms auf, sind diese in der Regel nicht oder nur sehr gering durch eine cholesterinarme Ernährung beeinflussbar. Hier haben der Fett- bzw. der Kohlenhydratgehalt der Nahrung einen größeren Einfluss.

Fette
Eine niedrige Fettzufuhr führt paradoxerweise zu erhöhten Blutfettwerten. So gehen kohlenhydratreiche, fettarme Diäten mit erhöhten Triglyzerid- und niedrigen HDL-Cholesterinwerten einher. Derartige Veränderungen wurden auch bei Patienten mit Hypercholesterinämie und kombinierter Hyperlipidämie beobachtet, die auf eine Diät mit weniger als 25% Fett und mehr als 60% Kohlenhydraten gesetzt wurden. Gesättigten Fettsäuren werden häufig cholesterin- und besonders LDL-erhöhende Effekte nachgesagt, weshalb diese nur begrenzt aufgenommen werden sollen. Allerdings stimmt diese Schlussfolgerung nur begrenzt.
Austausch gesättigter Fettsäuren gegen ungesättigte Fettsäuren
Eine Einschränkung der Zufuhr gesättigter Fettsäuren zugunsten von ungesättigten Fettsäuren führt zur Abnahme des Gesamt-, des LDL- und des HDL-Cholesterinspiegels. Allerdings scheinen gesättigte Fettsäuren nur dann eine Auswirkung auf den LDL-Cholesteringehalt zu haben, wenn die Aufnahme an mehrfach ungesättigten Fettsäuren gering ist (etwa 5% der Gesamtenergie). Ist das Verhältnis gesättigte zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren (P:S) gleich, zeigen sich keine Unterschiede hinsichtlich des Gesamtcholesterins oder des Apo B-Gehalts, egal wie hoch der Konsum an gesättigten Fetten ist. Ein Austausch von gesättigten gegen mehrfach ungesättigte Fettsäuren führt zu einer verminderten LDL-Produktion und erhöhten LDL-Clearance (möglicherweise aufgrund einer erhöhten LDL-Rezeptordichte).

Fazit
Ein Austausch von Fett gegen Kohlenhydrate ist wenig sinnvoll. Vielmehr ist verstärkt Augenmerk auf die Qualität des Fettes zu legen. Häufige Verwendung von hochwertigen Ölen wie Raps-, Walnuss- oder Olivenöl und regelmäßiger Verzehr von Seefisch erhöht die Zufuhr an ungesättigten Fettsäuren und stellt einen Ausgleich zur Aufnahme von gesättigten Fetten her. Eine strenge Begrenzung ist somit nicht erforderlich.

Transfettsäuren
Transfettsäuren, die als Nebenprodukt industriell gehärteter Pflanzenfette in verschiedenen Industrienahrungsmitteln vorkommen, wirken sich negativ auf die Blutfettwerte aus. Diese erhöhen sowohl den Triglyzerid- wie auch den LDL-Cholesterinspiegel und senken gleichzeitig den HDL-Cholesteringehalt.

Kohlenhydrate
Eine kohlenhydratreiche und fettarme Ernährung führte in mehreren Studien zur Abnahme der HDL-Cholesterinkonzentration und Zunahme des Triglyzeridgehaltes im Blut. Gleichzeitig kommt es häufig zwar zu einer Senkung des LDL-Cholesterins, allerdings geht dies mit einer Verschiebung zugunsten atherogener „small dense“ LDL-Partikel einher. kohlenhydratreduzierte Ernährungsweisen (KH < 40% der Gesamtenergie) gehen daher mit einer Erhöhung des HDL-Cholesterins, einer Senkung der Triglyzeride und einer Vergrößerung der LDL-Partikelgröße einher.
Bei den Empfehlungen zum Kohlenhydratverzehr muss jedoch stark zwischen Einfach- und Mehrfachzuckern, Stärke und Ballaststoffen unterschieden werden. Schnell resorbierbare Kohlenhydrate (Einfach- und Zweifachzucker) führen in hohen Mengen aufgenommen zu einer gesteigerten VLDL-Produktion in der Leber. Insbesondere Saccharose und Fruktose führen zu einer vermehrten Triglyzeridsynthese und damit zu einem erhöhten Wert. Ein hoher Zuckerkonsum etwa über Süßigkeiten, Limonaden oder Fruchtsäfte ist daher zu vermeiden. Die HDL-Senkung und Triglyzeridsteigerung ist stärker ausgeprägt wenn vorwiegend Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index verzehrt werden. Eine Kost mit niedrigem glykämischen Index wirkt sich weniger negativ aus. Diese geht meist auch mit einer höheren Ballaststoffaufnahme einher, was sich wiederum cholesterinsenkend auswirkt.

Bitterstoffe
Als Bitterstoffe bezeichnet man Verbindungen, die aus verschiedenen, bitter schmeckenden Kräutern zusammengesetzt sind. In ihrer speziellen Zusammensetzung dienen sie als Stärkungsmittel und unterstützen im Besonderen das Verdauungssystem. Hier aktivieren die Bitterstoffe sämtliche Schleimhäute, in dem sie sie beweglich, elastisch und rein halten. Darüber hinaus führen sie ein schnelleres Sättigungsgefühl herbei und reduzieren das Verlangen nach Süßigkeiten.
In der traditionellen Medizin vieler und ganz unterschiedlicher Kulturkreise wird den Bitterstoffen eine große Bedeutung beigemessen. Viele Kulturen vertreten die Ansicht, dass Bitterstoffe zu den wichtigen Ausgangsmitteln für eine gute Gesundheit und eine hohe Lebenserwartung sind. In westlichen Kulturkreisen ist diese Ansicht jedoch allgemein wenig verbreitet.                                                                                                                   Ein gesundes Verdauungssystem ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Viele Menschen unterschätzen dessen Bedeutung. Doch das Verdauungssystem ist genau der Ort, an dem unser Körper wichtige Nährstoffe aufnimmt. Es stellt sie zum Wiederaufbau und zur Regeneration zur Verfügung. Zusätzlich sorgt das Verdauungssystem dafür, dass Giftstoffe und potenziell gefährliche Substanzen den Körper rasch wieder verlassen können. Ist dies nicht möglich, stellen sich schnell Beschwerden unterschiedlichster Art ein. Wir nehmen sie als Magenverstimmung, Sodbrennen oder Blähungen wahr, häufig unmittelbar nach einer Mahlzeit. Die Auswirkungen dieser Symptome auf den Organismus sind signifikant und reichen von Müdigkeit bis hin zu Angstzuständen. Da der Körper häufig auch zeitverzögert reagiert, werden diese Beschwerden nicht immer mit dem Verdauungstrakt in Verbindung gebracht.
Wo Sie Bitterstoffe finden?
Bitterstoffe sind in Artischockenblätter, Echter Engelwurz, Löwenzahn, Enzianwurzel, Kamille, Schafgarbe und Wermut enthalten. Ein hochwertiges Bitterstofftonikum enthält im Idealfall verschiedene Arten bitterstoffhaltiger Kräuter. Wer den bitteren Geschmack meiden möchte, der kann sie auch in Kapselform zu sich nehmen. Die Wirkung der traditionellen Tinkturen ist jedoch weitaus höher.
Die Schulmedizin lehrt das Gegenteil.
Unsere Geschmacksknospen sind durch eine moderne Ernährungsweise nicht mehr an die Aufnahme von Bitterstoffen gewöhnt. Stattdessen kennen wir Lebensmittel, die stark zuckerhaltig und häufig voller Konservierungsstoffe sind. Demzufolge bevorzugen wir schmackhafte, süße und salzige Aromen. Unserem Körper fehlen häufig die wichtigen Bitterstoffe.

Ballaststoffe
Wasserlösliche Ballaststoffe unterstützen die Senkung des LDL-Cholesterins. Dabei sind die besten Effekte für Beta-Glukan, Pektin, Guar und Psyllium beschrieben. Mit Leinsamen konnte (insbesondere bei postmenopausalen Frauen) das Gesamt- und LDL-Cholesterin deutlich gesenkt werden. Allerdings zeigte sich dieser Effekt nur, wenn die Körner verzehrt wurden, nicht aber bei Leinöl. Die HDL-Cholesterin- und Triglyzeridwerte werden durch Ballaststoffe hingegen nicht beeinflusst.
Über welche Mechanismen Ballaststoffe den Cholesterinspiegel beeinflussen ist noch nicht vollständig geklärt. Die derzeit gängigste Theorie besagt, dass Nahrungsfasern Gallensäuren im Dünndarm binden, wodurch diese nicht wieder aufgenommen sondern ausgeschieden werden. Folglich ist der Körper gezwungen, erneut Gallensäuren aus Cholesterin herzustellen, wodurch Cholesterin aus dem Blut verbraucht wird. Denkbar ist jedoch auch, dass Ballaststoffe durch die Wasserbindung eine Art Wasserbarriere bilden, welche die Aufnahme der Mizellen und somit die Fett-, Cholesterin- und Gallensäureaufnahme im Dünndarm behindert. Inwiefern die beim bakteriellen Abbau von Ballaststoffen anfallenden kurzkettigen Fettsäuren einen blutfettsenkenden Einfluss haben, ist beim Menschen bislang schlecht untersucht.

Fruktose
Anhaltender, übermäßiger Konsum von Fruktose (Fruchtzucker) führt zu erhöhten Blutfettwerten. In einer Reihe von Studien führte sowohl bei Nagetieren wie auch bei gesunden Menschen bzw. Diabetikern die hohe Gabe zu deutlich erhöhten Plasmaspiegel an Triglyzeriden. Dabei richtete sich der Konzentrationsanstieg nach der verabreichten Fruktosedosis. Interessanterweise wurden derartige Effekte nur durch alleinige Fruktosegabe erzielt. Obstreiche Ernährung oder Honig zeigten keinen Einfluss auf die Blutfettwerte.
Die Aufnahme von etwa 60 bis 70 g Fruktose (rund 1,5 Liter Fruchtsaft bzw. Limonade) täglich erhöhte den Triglyzeridspiegel innerhalb von 4 Wochen in mehreren Studien. Bei jungen gesunden Männern war dieser Effekt nur postprandial messbar und auch Frauen scheinen weniger anfällig zu sein. Bei übergewichtigen Männern und Frauen bzw. solchen mit erhöhten Insulinblutspiegeln wirkte sich die Fruktose stärker auf die Triglyzeridwerte aus. Saccharose (Zweifachzucker aus Fruktose und Glukose) verringerte in einer Studie den HDL-Cholesterinspiegel.

Phytosterine
Phytosterine bewirken eine Senkung des Cholesterinspiegels. Verschiedene Studien zeigten, dass sowohl die Aufnahme über Pflanzenöle wie auch über Phytosterin-angereicherte Lebensmittel zu einer deutlichen Reduktion des LDL-Cholesterins führt. Nach gegenwertigen Annahmen, verdrängen diese das strukturähnliche Cholesterin aus den Mizellen und verringern so die Aufnahme von Nahrungscholesterin bzw. die Wiederaufnahme von ausgeschiedenem Cholesterin im Dünndarm. Die Cholesterinabsorption sinkt so um schätzungsweise 30 bis 50%. Ein weiterer möglicher Mechanismus ist die phytosterininduzierte Stimulation des Transporters CERP (cholesterol-efflux regulatory protein), der für die Ausschleusung von Cholesterin aus den Zellen und den Abtransport via HDL wichtig ist . 2 bis 3 g Pflanzensterine täglich senken den Cholesterinspiegel um etwa 10%, wobei eine Mehraufnahme keinen Zusatznutzen bringt.
Neuere Untersuchungen lassen Phytosterine trotz cholesterinsenkender Eigenschaften jedoch in einem kritischeren Licht erscheinen. So fanden deutsche Wissenschaftler bei Mäusen, die mit Pflanzensterinen-angereichertes Futter bekamen, verstärkt ischämische Hirnschäden, eine gestörte endotheliale Gefäßfunktion sowie vermehrt arteriosklerotische Veränderungen. Zudem zeigte sich bei 10 Patienten, die einen Herzklappenersatz bekamen und von einem mindestens zweijährigen Konsum Phytosterin-angereicherter Margarine berichteten, eine vermehrte Ablagerung der Pflanzensterine im Klappengewebe. Zum Vergleich können Patienten, die unter der sehr seltenen Sitosterinämie leiden und eine stark erhöhte Resorption des Phytosterins Beta-Sitosterin aufweisen, bereits im Jugendalter an koronaren Herzleiden erkranken. Zudem ist bereits seit längerem bekannt, dass eine vermehrte Zufuhr an Phytosterinen die Aufnahme von Beta-Carotin vermindert, weshalb Kindern und Schwangeren von angereicherten Produkten eher abzuraten ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt nicht mehr als 3 g Phytosterine pro Tag aufzunehmen.
Phytosterine kommen hauptsächlich in fettreichen Pflanzenteilen vor. Besonders reich sind sie in Sonnenblumensamen, Weizenkeimen, Sesam und Sojabohnen sowie Kürbiskernen enthalten. Durch Verarbeitung, z.B. Raffinieren von Ölen, verlieren diese einen hohen Teil ihres Gehalts. Wertvoll sind daher besonders die unbehandelten nativen Öle, Fette und Samen.

Alkohol
Eine mäßige Alkoholaufnahme (maximal 10 g für Frauen und 20 g bei Männern) führt zwar zu einer Erhöhung des HDL- und Senkung des LDL-Cholesterins. Übermäßiger Konsum kann jedoch Fettstoffwechselstörungen begünstigen. Alkoholische Getränke besitzen eine hohe Energiedichte, so dass eine Aufnahme über den Energiebedarf der Zelle zur Bildung von Triglyzeriden führt. Ein hoher Alkoholkonsum fördert demnach die Bildung von VLDL in der Leber und eine Erhöhung des Triglyzeridspiegels im Blut.
Liegen lediglich erhöhte Cholesterinwerte vor, kann ein moderater Alkoholkonsum die Normalisierung unterstützen. Bei bereits erhöhtem Triglyzeridwert sollten alkoholischer Getränke eher mit Vorsicht genossen werden und sich auf Ausnahmen beschränken. Liegt dem erhöhten Triglyzeridwert eine Störung der Leber zugrunde ist auf Alkohol völlig zu verzichten.